Rot-Weiß Werneuchen startet in die Saisonvorbereitung
Zeitung: Der Kreisliga-Kurier
von Siggi Senfklecks
Mit Muskelkater, Maßband und Mallorca-Playlist – Rot-Weiß Werneuchen startet in die Oberliga-Vorbereitung
Werneuchen – Es geht wieder los. Die Fußballschuhe quietschen, die ersten Oberschenkel melden sich vorsorglich krank und irgendwo im Dorf wird bereits diskutiert, ob Bier nach dem Training eher Regeneration oder Tradition ist. Beim SV Rot-Weiß Werneuchen hat die Vorbereitung begonnen – und diesmal führt sie direkt ins Abenteuer Oberliga Nord/Ost.
Nach einer Saison mit 90 Punkten und einem Torverhältnis von +105 (im Dorf auch bekannt als ,,läuft bei uns") ist klar: Jetzt wird's ernst. Oder zumindest ernster. Also ein bisschen.
--Meisterfeier: Balkon? Haben wir nicht. Stimmung? Mehr als genug.--
Der Aufstieg wurde natürlich gebührend gefeiert. Da das Dorfrathaus keinen Balkon besitzt – was im Nachhinein als planerischer Fehler gewertet wird – verlagerte sich die Feier kurzerhand ins ,,Venezia/Pinte". Dort versammelten sich 90 bis 100 Fans, was für Werneuchen ungefähr einer Großdemonstration entspricht.
Es wurde gesungen, gelacht und analysiert. Vor allem letzteres – denn nichts wird im Fußball so intensiv aufgearbeitet wie ein Spiel, das man schon gewonnen hat. Irgendwann zwischen drittem Getränk und fünfter Wiederholung des ,,Meister!"-Rufs waren sich alle einig: Das war nicht nur verdient, das war fast schon unverschämt souverän.
Ein Spieler soll am Ende des Abends versucht haben, den Tresen als Ersatzbalkon zu nutzen. Ob erfolgreich, ist bis heute nicht ganz geklärt.
--Vorbereitung: Laufen, leiden und kreative Ausreden--
Jetzt aber wieder Alltag – beziehungsweise das, was man in Werneuchen darunter versteht. Bedeutet konkret: anstrengendes Konditionstraining. Viel davon. Sehr viel davon. So viel, dass einige Spieler bereits beim Aufwärmen nostalgisch an die Sommerpause zurückdenken.
Um die Motivation hochzuhalten, greift das Trainerteam tief in die Trickkiste – und gelegentlich auch in die Jugendabteilung: Es wird fangen gespielt, in verschiedenen Varianten, bei denen sich erstaunlich schnell herausstellt, dass selbst gestandene Männer plötzlich wieder taktisch klug um Bäume laufen können. Auch Einwürfe werden intensiv trainiert – stilecht wie im Kindertraining, inklusive der einen oder anderen Diskussion, ob der Ball jetzt wirklich hinter dem Kopf war oder eher so ,,halb".
Besonders legendär sind die Sonntagseinheiten: Lauftraining am Morgen – idealerweise direkt nach einem Dorffest am Samstagabend. Während einige Spieler versuchen, sich mit Sonnenbrille und Mineralwasser über die Strecke zu retten, wird anderen plötzlich bewusst, dass Ausdauer nicht nur eine Frage der Beine ist.
Nicht minder beeindruckend ist die Kreativität bei Trainingsabsagen: Muskelkater vom Training vor zwei Tagen, überraschend wichtige Geburtstage von Omas, die man ,,auf keinen Fall verpassen kann", oder bei den jüngeren Spielern plötzlich angesetzte, extrem wichtige Klassenarbeiten – meist genau dann, wenn Intervallläufe auf dem Plan stehen.
Trotz allem gilt: Wer da ist, wird fitter. Und wer nicht da ist, muss sich um die Getränkeversorgung beim nächsten Training kümmern.
--Auswärtsfahrten: Fußball trifft Bildungsreise--
Ein echtes Highlight der Vorbereitung: Alle Testspiele gegen höherklassige Mannschaften finden auswärts statt. Für die Spieler bedeutet das vor allem eines – Busfahren. Viel Busfahren.
Damit verbunden ist ein inoffizieller Bildungsauftrag: Deutsche Geografie wird neu entdeckt (,,Wie viele Orte gibt es eigentlich mit -hagen?"), und auch geschichtliche Fragen werden zumindest kurz angerissen – meist dann, wenn jemand googelt, wo man eigentlich gerade ist.
Die Hinfahrten sind geprägt von Konzentration, Musik und vereinzelten Nickerchen. Die Rückfahrten hingegen... nun ja. Sagen wir so: Die Mannschaft verarbeitet das Spielgeschehen auf ihre ganz eigene Art. Mit Partymusik, Gesprächen über verpasste Chancen (,,Den hätte ich normalerweise gemacht!") und der ein oder anderen Kaltgetränke-Analyse wächst das Team zusammen.
Dabei ist allen bewusst: Die Gegner sind stark, die Aufgaben anspruchsvoll – und genau deshalb sind diese Spiele wertvoll. Auch wenn die Anzeigetafel gelegentlich sehr ehrlich ist.
--Kader: Wer bleibt, wer geht – und wer kennt schon den Weg zum Training?--
Personell herrscht Bewegung: 11 Abgänge sind bereits fix, bis zu 6 weitere könnten folgen. Gleichzeitig stehen 7 Neuzugänge bereit, die nicht nur sportlich integriert werden sollen, sondern auch lernen müssen, wie das Leben in Werneuchen funktioniert.
Das beginnt bei einfachen Dingen wie ,,Wo ist der Trainingsplatz?" und endet bei komplexeren Fragen wie ,,Wer bringt was zum Grillabend mit?"
Gesucht werden außerdem noch 2–3 weitere Verstärkungen – idealerweise Spieler, die sowohl Oberliga-Niveau als auch Sitzfleisch für lange Busfahrten mitbringen.
--Teambuilding: Wenn aus Mitspielern Mittrinker... äh, Mitstreiter werden--
Natürlich wird auch neben dem Platz am Zusammenhalt gearbeitet. Geplant sind Mannschaftsabende, Ausflüge und alles, was dazugehört.
Ob Fahrradtouren mit unklarem Ziel, Grillabende mit klarer Getränkeverteilung oder Spieleabende, die überraschend laut werden – das Ziel ist immer dasselbe: ein Team zu formen, das sich versteht. Und zwar nicht nur taktisch.
Ein Spieler brachte es kürzlich treffend auf den Punkt: ,,Nach drei Trainingseinheiten kennst du die Laufwege. Nach drei gemeinsamen Abenden kennst du die Leute."
--Ziele: Hoch hinaus – mit Bodenhaftung--
Trotz aller Lockerheit sind die Ziele klar formuliert: eine starke Saison, möglichst weit im Verbandspokal kommen – und wer weiß, vielleicht auch wieder ganz oben angreifen.
Bis dahin gilt jedoch: laufen, lernen, lachen. Und vor allem zusammenwachsen – auf dem Platz, im Bus und gelegentlich auch am Tresen.
Denn eines ist sicher: Beim SV Rot-Weiß Werneuchen wird die Vorbereitung zwar anstrengend, aber garantiert nicht langweilig.
(BjSch218 / Fr., W1 S98)
Zeitung: Der Kreisliga-Kurier
von Siggi Senfklecks
Mit Muskelkater, Maßband und Mallorca-Playlist – Rot-Weiß Werneuchen startet in die Oberliga-Vorbereitung
Werneuchen – Es geht wieder los. Die Fußballschuhe quietschen, die ersten Oberschenkel melden sich vorsorglich krank und irgendwo im Dorf wird bereits diskutiert, ob Bier nach dem Training eher Regeneration oder Tradition ist. Beim SV Rot-Weiß Werneuchen hat die Vorbereitung begonnen – und diesmal führt sie direkt ins Abenteuer Oberliga Nord/Ost.
Nach einer Saison mit 90 Punkten und einem Torverhältnis von +105 (im Dorf auch bekannt als ,,läuft bei uns") ist klar: Jetzt wird's ernst. Oder zumindest ernster. Also ein bisschen.
--Meisterfeier: Balkon? Haben wir nicht. Stimmung? Mehr als genug.--
Der Aufstieg wurde natürlich gebührend gefeiert. Da das Dorfrathaus keinen Balkon besitzt – was im Nachhinein als planerischer Fehler gewertet wird – verlagerte sich die Feier kurzerhand ins ,,Venezia/Pinte". Dort versammelten sich 90 bis 100 Fans, was für Werneuchen ungefähr einer Großdemonstration entspricht.
Es wurde gesungen, gelacht und analysiert. Vor allem letzteres – denn nichts wird im Fußball so intensiv aufgearbeitet wie ein Spiel, das man schon gewonnen hat. Irgendwann zwischen drittem Getränk und fünfter Wiederholung des ,,Meister!"-Rufs waren sich alle einig: Das war nicht nur verdient, das war fast schon unverschämt souverän.
Ein Spieler soll am Ende des Abends versucht haben, den Tresen als Ersatzbalkon zu nutzen. Ob erfolgreich, ist bis heute nicht ganz geklärt.
--Vorbereitung: Laufen, leiden und kreative Ausreden--
Jetzt aber wieder Alltag – beziehungsweise das, was man in Werneuchen darunter versteht. Bedeutet konkret: anstrengendes Konditionstraining. Viel davon. Sehr viel davon. So viel, dass einige Spieler bereits beim Aufwärmen nostalgisch an die Sommerpause zurückdenken.
Um die Motivation hochzuhalten, greift das Trainerteam tief in die Trickkiste – und gelegentlich auch in die Jugendabteilung: Es wird fangen gespielt, in verschiedenen Varianten, bei denen sich erstaunlich schnell herausstellt, dass selbst gestandene Männer plötzlich wieder taktisch klug um Bäume laufen können. Auch Einwürfe werden intensiv trainiert – stilecht wie im Kindertraining, inklusive der einen oder anderen Diskussion, ob der Ball jetzt wirklich hinter dem Kopf war oder eher so ,,halb".
Besonders legendär sind die Sonntagseinheiten: Lauftraining am Morgen – idealerweise direkt nach einem Dorffest am Samstagabend. Während einige Spieler versuchen, sich mit Sonnenbrille und Mineralwasser über die Strecke zu retten, wird anderen plötzlich bewusst, dass Ausdauer nicht nur eine Frage der Beine ist.
Nicht minder beeindruckend ist die Kreativität bei Trainingsabsagen: Muskelkater vom Training vor zwei Tagen, überraschend wichtige Geburtstage von Omas, die man ,,auf keinen Fall verpassen kann", oder bei den jüngeren Spielern plötzlich angesetzte, extrem wichtige Klassenarbeiten – meist genau dann, wenn Intervallläufe auf dem Plan stehen.
Trotz allem gilt: Wer da ist, wird fitter. Und wer nicht da ist, muss sich um die Getränkeversorgung beim nächsten Training kümmern.
--Auswärtsfahrten: Fußball trifft Bildungsreise--
Ein echtes Highlight der Vorbereitung: Alle Testspiele gegen höherklassige Mannschaften finden auswärts statt. Für die Spieler bedeutet das vor allem eines – Busfahren. Viel Busfahren.
Damit verbunden ist ein inoffizieller Bildungsauftrag: Deutsche Geografie wird neu entdeckt (,,Wie viele Orte gibt es eigentlich mit -hagen?"), und auch geschichtliche Fragen werden zumindest kurz angerissen – meist dann, wenn jemand googelt, wo man eigentlich gerade ist.
Die Hinfahrten sind geprägt von Konzentration, Musik und vereinzelten Nickerchen. Die Rückfahrten hingegen... nun ja. Sagen wir so: Die Mannschaft verarbeitet das Spielgeschehen auf ihre ganz eigene Art. Mit Partymusik, Gesprächen über verpasste Chancen (,,Den hätte ich normalerweise gemacht!") und der ein oder anderen Kaltgetränke-Analyse wächst das Team zusammen.
Dabei ist allen bewusst: Die Gegner sind stark, die Aufgaben anspruchsvoll – und genau deshalb sind diese Spiele wertvoll. Auch wenn die Anzeigetafel gelegentlich sehr ehrlich ist.
--Kader: Wer bleibt, wer geht – und wer kennt schon den Weg zum Training?--
Personell herrscht Bewegung: 11 Abgänge sind bereits fix, bis zu 6 weitere könnten folgen. Gleichzeitig stehen 7 Neuzugänge bereit, die nicht nur sportlich integriert werden sollen, sondern auch lernen müssen, wie das Leben in Werneuchen funktioniert.
Das beginnt bei einfachen Dingen wie ,,Wo ist der Trainingsplatz?" und endet bei komplexeren Fragen wie ,,Wer bringt was zum Grillabend mit?"
Gesucht werden außerdem noch 2–3 weitere Verstärkungen – idealerweise Spieler, die sowohl Oberliga-Niveau als auch Sitzfleisch für lange Busfahrten mitbringen.
--Teambuilding: Wenn aus Mitspielern Mittrinker... äh, Mitstreiter werden--
Natürlich wird auch neben dem Platz am Zusammenhalt gearbeitet. Geplant sind Mannschaftsabende, Ausflüge und alles, was dazugehört.
Ob Fahrradtouren mit unklarem Ziel, Grillabende mit klarer Getränkeverteilung oder Spieleabende, die überraschend laut werden – das Ziel ist immer dasselbe: ein Team zu formen, das sich versteht. Und zwar nicht nur taktisch.
Ein Spieler brachte es kürzlich treffend auf den Punkt: ,,Nach drei Trainingseinheiten kennst du die Laufwege. Nach drei gemeinsamen Abenden kennst du die Leute."
--Ziele: Hoch hinaus – mit Bodenhaftung--
Trotz aller Lockerheit sind die Ziele klar formuliert: eine starke Saison, möglichst weit im Verbandspokal kommen – und wer weiß, vielleicht auch wieder ganz oben angreifen.
Bis dahin gilt jedoch: laufen, lernen, lachen. Und vor allem zusammenwachsen – auf dem Platz, im Bus und gelegentlich auch am Tresen.
Denn eines ist sicher: Beim SV Rot-Weiß Werneuchen wird die Vorbereitung zwar anstrengend, aber garantiert nicht langweilig.
(BjSch218 / Fr., W1 S98)
