Werneuchen gelingt der Durchmarsch
Zeitung: der Kreisliga-Kurier
von Siggi Senfklecks
Die Saison des SV Rot-Weiß Werneuchen liest sich wie ein kleines Fußballmärchen – allerdings eines mit sehr viel Einsatz, Teamgeist und einer ordentlichen Portion Dorfcharme.
Als Aufsteiger in die Oberliga Nord/Ost gestartet, war das Ziel eigentlich klar: erstmal ankommen, mithalten, nicht gleich wieder runter. Am Ende stand etwas, womit selbst die kühnsten Optimisten nur heimlich gerechnet hatten: Platz 1, ungeschlagen, mit 31 Siegen und 5 Unentschieden aus 36 Spielen, einem Torverhältnis von 154:63 und sagenhaften 98 Punkten.
Das Ganze garniert mit 18 Punkten Vorsprung auf den Dauerrivalen 1.FC Waldseite Köpenick.
Was dabei besonders auffiel: Die Mannschaft wirkte selten überheblich, sondern eher wie eine gut geölte Truppe, die einfach Spaß daran hatte, zusammen Fußball zu spielen – und dabei erstaunlich oft den Ball im Tor unterbrachte.
--Der kleine Makel: Pokal-Aus mit Lerneffekt--
Ganz ohne Wermutstropfen ging es dann aber doch nicht:
Im Halbfinale des Verbandspokals war Schluss – ausgerechnet gegen den Rivalen 1.FC Waldseite Köpenick.
Und hier zeigte sich: Pokal ist eben ein anderes Spiel. Während Werneuchen mit viel Tempo und Spielfreude kam, stellte der Gegner eine Truppe aus erfahrenen ,,alten Haudegen" dagegen – Spieler, die vermutlich schon Pokalspiele bestritten haben, als einige Werneuchener noch ihre Fußballschuhe nach Farben sortiert haben.
Am Ende war es weniger eine Frage von Können, sondern von Erfahrung, Cleverness und vielleicht auch ein bisschen Abgezocktheit. Eine Niederlage, die weh tat – aber auch eine, aus der man sicherlich lernen kann.
--Zwei Tage Ausnahmezustand: Venezia / Pinte--
Das letzte Kapitel der Saison begann übrigens auswärts – im niedersächsischen Cloppenburg. Dort gewann Werneuchen sein finales Spiel spektakulär mit 9:2 – ein Ergebnis, das schon auf dem Papier nach ,,Bus wird laut" schreit.
Und genau so kam es auch.
Die Party startete nämlich nicht erst im ,,Venezia / Pinte", sondern bereits auf der Heimfahrt:
- Die erste Kiste Bier hatte vermutlich weniger Spielzeit als mancher Einwechselspieler
- Die Playlist schwankte zwischen Kabinenhits, 90ern und ,,lief halt gerade"
- Irgendwann sang der ganze Bus – unabhängig davon, ob Textsicherheit vorhanden war oder nicht
Als der Bus schließlich in Werneuchen ankam, war die Mannschaft schon bestens ,,eingestimmt" auf das, was folgen sollte.
Schauplatz: das legendäre ,,Venezia / Pinte".
Dauer: zwei Tage (mit fließenden Übergängen zwischen Tag und Nacht).
Mit dabei:
- Spieler, die plötzlich als Tanzfläche mehr Kilometer machten als im Spiel
- Familienmitglieder, die eigentlich ,,nur kurz gratulieren" wollten
- Fans, die sicherheitshalber gleich ganz blieben
- und Dorfbewohner, die am Ende nicht mehr genau wussten, ob sie wegen Pizza oder wegen der Stimmung da waren
Irgendwann wurde gesungen, irgendwann wurde diskutiert, irgendwann wurde einfach nur noch gelacht. Eine Feier, die genau das widerspiegelte, was diese Saison ausgemacht hat: Zusammenhalt.
--Ausblick: Regionalliga – und weniger kreative Ausreden--
Jetzt geht es hoch in die Regionalliga Nord/Ost – und dort wird die Luft bekanntlich dünner.
Das weiß man auch in Werneuchen. Entsprechend wird intern schon gemunkelt, dass sich in der Vorbereitung ein paar Dinge ändern könnten:
- Trainingsbeteiligung wird... sagen wir mal... "verbindlicher"
- Klassische Absagen wie
- ,,Ich hab noch Hausaufgaben",
- ,,Oma hat Geburtstag"* (zum dritten Mal in der Woche),
oder ,,Mein Hamster wirkt heute emotional distanziert"
könnten künftig etwas kritischer hinterfragt werden
Denn gegen die neuen Gegner reicht Talent allein nicht mehr – da braucht es Fitness, Disziplin und wahrscheinlich auch den einen oder anderen zusätzlichen Dauerlauf.
--Und dann ist da ja noch...--
Natürlich wartet auch in der Regionalliga wieder der alte Bekannte: der 1.FC Waldseite Köpenick.
Dort hat man die Entwicklung in Werneuchen sehr genau beobachtet – und offenbar Konsequenzen gezogen. Auf dem Transfermarkt wurde bereits fleißig gearbeitet, die ein oder andere Verstärkung steht schon fest. Man will für die kommende Saison sichtbar besser aufgestellt sein.
Der Hintergrund ist klar: Abgesehen vom Pokalsieg lief es zuletzt in der Liga eher schleppend gegen Werneuchen – seit acht Spielen konnte Köpenick dort nicht mehr gewinnen. Eine Serie, die man aus Sicht des Rivalen natürlich nur zu gern beenden würde.
Es ist also angerichtet für die nächsten Kapitel dieser Rivalität – diesmal mit neuen Vorzeichen und frischem Personal auf beiden Seiten.
--Fazit (oder: Wie Werneuchen einfach Werneuchen blieb)--
Am Ende war diese Saison nicht nur eine sportliche Erfolgsgeschichte – sondern auch ein ziemlich gutes Beispiel dafür, wie Fußball auf dem Dorf funktioniert.
Hier wird nicht nur trainiert, gespielt und gewonnen – hier wird zusammen gelebt:
- Nach dem Spiel trifft man sich sowieso wieder – ob geplant oder ,,zufällig"
- Siege werden gefeiert, Unentschieden diskutiert und Niederlagen (gab's ja diesmal nicht) vermutlich auch irgendwie weggelacht
- Und irgendwo steht eigentlich immer jemand mit einem Bier in der Hand und einer Meinung zum Spiel
Der SV Rot-Weiß Werneuchen hat gezeigt, dass man mit Zusammenhalt, Spaß und einer gesunden Portion Fußballverrücktheit ziemlich weit kommen kann.
Oder, um es inoffiziell zusammenzufassen:
Erst Meister geworden, dann zwei Tage gefeiert – und jetzt langsam wieder nüchtern werden... schließlich wartet die Regionalliga.
(BjSch218 / Mi., W45 S98)
Zeitung: der Kreisliga-Kurier
von Siggi Senfklecks
Die Saison des SV Rot-Weiß Werneuchen liest sich wie ein kleines Fußballmärchen – allerdings eines mit sehr viel Einsatz, Teamgeist und einer ordentlichen Portion Dorfcharme.
Als Aufsteiger in die Oberliga Nord/Ost gestartet, war das Ziel eigentlich klar: erstmal ankommen, mithalten, nicht gleich wieder runter. Am Ende stand etwas, womit selbst die kühnsten Optimisten nur heimlich gerechnet hatten: Platz 1, ungeschlagen, mit 31 Siegen und 5 Unentschieden aus 36 Spielen, einem Torverhältnis von 154:63 und sagenhaften 98 Punkten.
Das Ganze garniert mit 18 Punkten Vorsprung auf den Dauerrivalen 1.FC Waldseite Köpenick.
Was dabei besonders auffiel: Die Mannschaft wirkte selten überheblich, sondern eher wie eine gut geölte Truppe, die einfach Spaß daran hatte, zusammen Fußball zu spielen – und dabei erstaunlich oft den Ball im Tor unterbrachte.
--Der kleine Makel: Pokal-Aus mit Lerneffekt--
Ganz ohne Wermutstropfen ging es dann aber doch nicht:
Im Halbfinale des Verbandspokals war Schluss – ausgerechnet gegen den Rivalen 1.FC Waldseite Köpenick.
Und hier zeigte sich: Pokal ist eben ein anderes Spiel. Während Werneuchen mit viel Tempo und Spielfreude kam, stellte der Gegner eine Truppe aus erfahrenen ,,alten Haudegen" dagegen – Spieler, die vermutlich schon Pokalspiele bestritten haben, als einige Werneuchener noch ihre Fußballschuhe nach Farben sortiert haben.
Am Ende war es weniger eine Frage von Können, sondern von Erfahrung, Cleverness und vielleicht auch ein bisschen Abgezocktheit. Eine Niederlage, die weh tat – aber auch eine, aus der man sicherlich lernen kann.
--Zwei Tage Ausnahmezustand: Venezia / Pinte--
Das letzte Kapitel der Saison begann übrigens auswärts – im niedersächsischen Cloppenburg. Dort gewann Werneuchen sein finales Spiel spektakulär mit 9:2 – ein Ergebnis, das schon auf dem Papier nach ,,Bus wird laut" schreit.
Und genau so kam es auch.
Die Party startete nämlich nicht erst im ,,Venezia / Pinte", sondern bereits auf der Heimfahrt:
- Die erste Kiste Bier hatte vermutlich weniger Spielzeit als mancher Einwechselspieler
- Die Playlist schwankte zwischen Kabinenhits, 90ern und ,,lief halt gerade"
- Irgendwann sang der ganze Bus – unabhängig davon, ob Textsicherheit vorhanden war oder nicht
Als der Bus schließlich in Werneuchen ankam, war die Mannschaft schon bestens ,,eingestimmt" auf das, was folgen sollte.
Schauplatz: das legendäre ,,Venezia / Pinte".
Dauer: zwei Tage (mit fließenden Übergängen zwischen Tag und Nacht).
Mit dabei:
- Spieler, die plötzlich als Tanzfläche mehr Kilometer machten als im Spiel
- Familienmitglieder, die eigentlich ,,nur kurz gratulieren" wollten
- Fans, die sicherheitshalber gleich ganz blieben
- und Dorfbewohner, die am Ende nicht mehr genau wussten, ob sie wegen Pizza oder wegen der Stimmung da waren
Irgendwann wurde gesungen, irgendwann wurde diskutiert, irgendwann wurde einfach nur noch gelacht. Eine Feier, die genau das widerspiegelte, was diese Saison ausgemacht hat: Zusammenhalt.
--Ausblick: Regionalliga – und weniger kreative Ausreden--
Jetzt geht es hoch in die Regionalliga Nord/Ost – und dort wird die Luft bekanntlich dünner.
Das weiß man auch in Werneuchen. Entsprechend wird intern schon gemunkelt, dass sich in der Vorbereitung ein paar Dinge ändern könnten:
- Trainingsbeteiligung wird... sagen wir mal... "verbindlicher"
- Klassische Absagen wie
- ,,Ich hab noch Hausaufgaben",
- ,,Oma hat Geburtstag"* (zum dritten Mal in der Woche),
oder ,,Mein Hamster wirkt heute emotional distanziert"
könnten künftig etwas kritischer hinterfragt werden
Denn gegen die neuen Gegner reicht Talent allein nicht mehr – da braucht es Fitness, Disziplin und wahrscheinlich auch den einen oder anderen zusätzlichen Dauerlauf.
--Und dann ist da ja noch...--
Natürlich wartet auch in der Regionalliga wieder der alte Bekannte: der 1.FC Waldseite Köpenick.
Dort hat man die Entwicklung in Werneuchen sehr genau beobachtet – und offenbar Konsequenzen gezogen. Auf dem Transfermarkt wurde bereits fleißig gearbeitet, die ein oder andere Verstärkung steht schon fest. Man will für die kommende Saison sichtbar besser aufgestellt sein.
Der Hintergrund ist klar: Abgesehen vom Pokalsieg lief es zuletzt in der Liga eher schleppend gegen Werneuchen – seit acht Spielen konnte Köpenick dort nicht mehr gewinnen. Eine Serie, die man aus Sicht des Rivalen natürlich nur zu gern beenden würde.
Es ist also angerichtet für die nächsten Kapitel dieser Rivalität – diesmal mit neuen Vorzeichen und frischem Personal auf beiden Seiten.
--Fazit (oder: Wie Werneuchen einfach Werneuchen blieb)--
Am Ende war diese Saison nicht nur eine sportliche Erfolgsgeschichte – sondern auch ein ziemlich gutes Beispiel dafür, wie Fußball auf dem Dorf funktioniert.
Hier wird nicht nur trainiert, gespielt und gewonnen – hier wird zusammen gelebt:
- Nach dem Spiel trifft man sich sowieso wieder – ob geplant oder ,,zufällig"
- Siege werden gefeiert, Unentschieden diskutiert und Niederlagen (gab's ja diesmal nicht) vermutlich auch irgendwie weggelacht
- Und irgendwo steht eigentlich immer jemand mit einem Bier in der Hand und einer Meinung zum Spiel
Der SV Rot-Weiß Werneuchen hat gezeigt, dass man mit Zusammenhalt, Spaß und einer gesunden Portion Fußballverrücktheit ziemlich weit kommen kann.
Oder, um es inoffiziell zusammenzufassen:
Erst Meister geworden, dann zwei Tage gefeiert – und jetzt langsam wieder nüchtern werden... schließlich wartet die Regionalliga.
(BjSch218 / Mi., W45 S98)
