WERNEUCHEN IST GERETTET!
Der Kreisliga-Kurier
Von Siggi Senfklecks
FC Sankt Güllen und Michaeldu bewahren Rot-Weiß vor dem finanziellen Untergang
Werneuchen. Es gibt Momente im Fußball, in denen Tore, Tabellenplätze und Meisterschaften plötzlich völlig nebensächlich werden.
Momente, in denen es um mehr geht.
Um Tradition. Um Zusammenhalt. Um die nackte Existenz eines Vereins.
Und darum, dass irgendwo ein Manager sitzt, den Transfermarkt öffnet und im entscheidenden Augenblick einfach auf ,,Kaufen" drückt.
Der SV Rot-Weiß Werneuchen darf weiterleben!
Nach Tagen voller Angst, Verzweiflung und hektischer Blicke auf einen tiefroten Kontostand ist die drohende finanzielle Katastrophe vorerst abgewendet. Der Mann, dem ganz Werneuchen diesen historischen Moment zu verdanken hat, heißt:
Michaeldu.
Der Manager des Erstligisten FC Sankt Güllen hat getan, was in diesen Tagen niemand für selbstverständlich halten durfte: Er nahm Rot-Weiß-Starstürmer Raimo Lambert unter Vertrag und sorgte mit der fälligen sofortigen Ablösesumme dafür, dass beim SV Rot-Weiß Werneuchen finanziell wieder so etwas wie Sauerstoff in die Lungen zurückkehrte.
Noch vor wenigen Tagen stand der Verein mit einem Bein vor dem Abgrund.
Nach einer Transferplanung, bei der sportlicher Ehrgeiz offenbar deutlich schneller arbeitete als der Taschenrechner der Finanzabteilung, drohten Zahlungsunfähigkeit, Insolvenz und im schlimmsten Fall der völlige Absturz mit anschließendem Neuanfang irgendwo in den Niederungen des Amateurfußballs.
Blutspenden wurden diskutiert. Sachspenden waren willkommen. Pfandflaschen sollten gesammelt werden. Selbst bei der Frage, welche Körperflüssigkeiten noch gewinnbringend verwertet werden könnten, wollte man sich im Vereinsheim ausdrücklich nicht frühzeitig festlegen.
Doch all das ist nun nicht mehr nötig.
Denn Michaeldu kam. Sah. Und kaufte Lambert.
Was der FC Bayern München in der Geschichte des deutschen Fußballs immer wieder mit Benefizspielen und Hilfsaktionen für in Not geratene Vereine vorgemacht hat, hat nun offenbar auch im fiktiven deutschen Profifußball einen würdigen Nachfolger gefunden.
Vergesst München.
Wir haben Sankt Güllen.
Und vielleicht wird man eines Tages in den Geschichtsbüchern des SV Rot-Weiß Werneuchen von zwei Epochen sprechen:
Vor Michaeldu und nach Michaeldu.
Denn machen wir uns nichts vor: Für den FC Sankt Güllen mag es lediglich ein Transfer gewesen sein.
Für Rot-Weiß Werneuchen war es eine Wiederbelebung bei laufendem Spielbetrieb.
Michaeldu hat nicht einfach einen Stürmer verpflichtet.
Er hat einen Verein gerettet.
Er hat Arbeitsplätze gesichert.
Er hat verhindert, dass der Platzwart bereits am Montagmorgen die Eckfahnen bei Kleinanzeigen einstellen musste.
Er hat dafür gesorgt, dass die Bratwurstbude nicht zwangsversteigert wird.
Und er hat vermutlich mehreren Vorstandsmitgliedern erspart, ihren Familien erklären zu müssen, warum plötzlich das Vereinsheim als Sicherheit für einen Mittelstürmer hinterlegt wurde.
Werneuchen sagt DANKE!
Der SV Rot-Weiß Werneuchen möchte deshalb ausdrücklich festhalten:
Michaeldu und der FC Sankt Güllen werden in diesem Verein niemals vergessen werden.
Andere bekommen für besondere Verdienste einen Orden.
Andere werden Ehrenbürger.
Michaeldu bekommt etwas wesentlich Wertvolleres:
Einen lebenslangen Ehrenplatz beim SV Rot-Weiß Werneuchen.
Und selbstverständlich nicht irgendeinen.
Für den Retter des Vereins wird ab sofort die exklusive Michaeldu-Ehrenloge eingerichtet.
Diese befindet sich voraussichtlich auf Höhe der Mittellinie, dritte Bierbank von links, unmittelbar zwischen den beiden Dorfrentnern Horst und Dieter, die seit 1987 jedes Heimspiel besuchen und unabhängig vom Spielstand spätestens ab der 23. Minute den Trainerwechsel fordern.
Zur Ausstattung der Ehrenloge gehören ein möglichst trockener Sitzplatz, hervorragende Sicht – sofern niemand davorsteht –, eine Bratwurst pro Halbzeit sowie Freibier auf Lebenszeit, solange Vorrat reicht und jemand daran gedacht hat, den Kühlschrank einzuschalten.
Bei besonders wichtigen Spielen wird Michaeldu außerdem das exklusive Recht eingeräumt, als Erster zu entscheiden, ob der Schiedsrichter tatsächlich blind ist.
Der Parkplatz unmittelbar neben dem Vereinsheim wird ebenfalls für ihn reserviert. Sollte dort wie üblich der Rasentraktor stehen, darf Michaeldu selbstverständlich direkt daneben parken.
Mehr VIP geht in Werneuchen nicht.
Auch beim jährlichen Vereinsfest wird ihm künftig der erste Becher Bier gereicht, das erste Stück vom Grill angeboten und – sollte die Musikanlage wieder nur auf einer Box funktionieren – der Sitzplatz auf der besseren Seite zugesichert.
So behandelt Werneuchen seine Helden.
-Raimo Lambert geht – aber als Retter-
Natürlich besitzt diese Geschichte auch eine sportlich bittere Seite.
Mit Raimo Lambert verliert Rot-Weiß einen seiner wichtigsten Spieler und seinen Starstürmer.
Doch manchmal verlangt Fußball Opfer.
Lambert verlässt Werneuchen deshalb nicht einfach als Transfer.
Er verlässt den Verein als jener Spieler, dessen Wechsel möglicherweise die gesamte Zukunft von Rot-Weiß gesichert hat.
Sollte er eines Tages nach Werneuchen zurückkehren, wird man ihm selbstverständlich ebenfalls mit Respekt begegnen.
Vermutlich.
Zumindest solange er gegen Rot-Weiß kein Tor schießt.
Danach können wir für nichts garantieren.
--Eine Freundschaft für die Ewigkeit--
Aus einer finanziellen Katastrophe ist damit etwas entstanden, was vielleicht noch viel länger Bestand haben wird:
eine besondere Verbindung zwischen dem SV Rot-Weiß Werneuchen und dem FC Sankt Güllen.
Sollte Sankt Güllen irgendwann selbst in Schwierigkeiten geraten, wird Werneuchen selbstverständlich bereitstehen.
Finanziell vermutlich eher nicht.
Aber wir können eine Tombola organisieren.
Bratwürste verkaufen.
Pfandflaschen sammeln.
Und Horst und Dieter würden sich bestimmt bereit erklären, beim Benefizspiel Eintritt zu bezahlen.
Mehr Solidarität kann man von einem Drittligisten kaum verlangen.
Bis dahin aber soll in Werneuchen niemand vergessen, wem zu verdanken ist, dass hier weiterhin Fußball gespielt wird.
Danke, FC Sankt Güllen.
Danke, Michaeldu.
Ihr habt Rot-Weiß nicht einfach geholfen.
Ihr habt Rot-Weiß Werneuchen gerettet.
Und sollte Michaeldu irgendwann persönlich im Stadion erscheinen, muss er nur einen Satz sagen:
,,Ich bin der mit Lambert."
Dann gehen in Werneuchen alle Türen auf.
Na ja.
Bis auf die vom Geräteschuppen.
Dafür hat nur der Platzwart einen Schlüssel.
(BjSch218 / Sa., W30 S101)
Der Kreisliga-Kurier
Von Siggi Senfklecks
FC Sankt Güllen und Michaeldu bewahren Rot-Weiß vor dem finanziellen Untergang
Werneuchen. Es gibt Momente im Fußball, in denen Tore, Tabellenplätze und Meisterschaften plötzlich völlig nebensächlich werden.
Momente, in denen es um mehr geht.
Um Tradition. Um Zusammenhalt. Um die nackte Existenz eines Vereins.
Und darum, dass irgendwo ein Manager sitzt, den Transfermarkt öffnet und im entscheidenden Augenblick einfach auf ,,Kaufen" drückt.
Der SV Rot-Weiß Werneuchen darf weiterleben!
Nach Tagen voller Angst, Verzweiflung und hektischer Blicke auf einen tiefroten Kontostand ist die drohende finanzielle Katastrophe vorerst abgewendet. Der Mann, dem ganz Werneuchen diesen historischen Moment zu verdanken hat, heißt:
Michaeldu.
Der Manager des Erstligisten FC Sankt Güllen hat getan, was in diesen Tagen niemand für selbstverständlich halten durfte: Er nahm Rot-Weiß-Starstürmer Raimo Lambert unter Vertrag und sorgte mit der fälligen sofortigen Ablösesumme dafür, dass beim SV Rot-Weiß Werneuchen finanziell wieder so etwas wie Sauerstoff in die Lungen zurückkehrte.
Noch vor wenigen Tagen stand der Verein mit einem Bein vor dem Abgrund.
Nach einer Transferplanung, bei der sportlicher Ehrgeiz offenbar deutlich schneller arbeitete als der Taschenrechner der Finanzabteilung, drohten Zahlungsunfähigkeit, Insolvenz und im schlimmsten Fall der völlige Absturz mit anschließendem Neuanfang irgendwo in den Niederungen des Amateurfußballs.
Blutspenden wurden diskutiert. Sachspenden waren willkommen. Pfandflaschen sollten gesammelt werden. Selbst bei der Frage, welche Körperflüssigkeiten noch gewinnbringend verwertet werden könnten, wollte man sich im Vereinsheim ausdrücklich nicht frühzeitig festlegen.
Doch all das ist nun nicht mehr nötig.
Denn Michaeldu kam. Sah. Und kaufte Lambert.
Was der FC Bayern München in der Geschichte des deutschen Fußballs immer wieder mit Benefizspielen und Hilfsaktionen für in Not geratene Vereine vorgemacht hat, hat nun offenbar auch im fiktiven deutschen Profifußball einen würdigen Nachfolger gefunden.
Vergesst München.
Wir haben Sankt Güllen.
Und vielleicht wird man eines Tages in den Geschichtsbüchern des SV Rot-Weiß Werneuchen von zwei Epochen sprechen:
Vor Michaeldu und nach Michaeldu.
Denn machen wir uns nichts vor: Für den FC Sankt Güllen mag es lediglich ein Transfer gewesen sein.
Für Rot-Weiß Werneuchen war es eine Wiederbelebung bei laufendem Spielbetrieb.
Michaeldu hat nicht einfach einen Stürmer verpflichtet.
Er hat einen Verein gerettet.
Er hat Arbeitsplätze gesichert.
Er hat verhindert, dass der Platzwart bereits am Montagmorgen die Eckfahnen bei Kleinanzeigen einstellen musste.
Er hat dafür gesorgt, dass die Bratwurstbude nicht zwangsversteigert wird.
Und er hat vermutlich mehreren Vorstandsmitgliedern erspart, ihren Familien erklären zu müssen, warum plötzlich das Vereinsheim als Sicherheit für einen Mittelstürmer hinterlegt wurde.
Werneuchen sagt DANKE!
Der SV Rot-Weiß Werneuchen möchte deshalb ausdrücklich festhalten:
Michaeldu und der FC Sankt Güllen werden in diesem Verein niemals vergessen werden.
Andere bekommen für besondere Verdienste einen Orden.
Andere werden Ehrenbürger.
Michaeldu bekommt etwas wesentlich Wertvolleres:
Einen lebenslangen Ehrenplatz beim SV Rot-Weiß Werneuchen.
Und selbstverständlich nicht irgendeinen.
Für den Retter des Vereins wird ab sofort die exklusive Michaeldu-Ehrenloge eingerichtet.
Diese befindet sich voraussichtlich auf Höhe der Mittellinie, dritte Bierbank von links, unmittelbar zwischen den beiden Dorfrentnern Horst und Dieter, die seit 1987 jedes Heimspiel besuchen und unabhängig vom Spielstand spätestens ab der 23. Minute den Trainerwechsel fordern.
Zur Ausstattung der Ehrenloge gehören ein möglichst trockener Sitzplatz, hervorragende Sicht – sofern niemand davorsteht –, eine Bratwurst pro Halbzeit sowie Freibier auf Lebenszeit, solange Vorrat reicht und jemand daran gedacht hat, den Kühlschrank einzuschalten.
Bei besonders wichtigen Spielen wird Michaeldu außerdem das exklusive Recht eingeräumt, als Erster zu entscheiden, ob der Schiedsrichter tatsächlich blind ist.
Der Parkplatz unmittelbar neben dem Vereinsheim wird ebenfalls für ihn reserviert. Sollte dort wie üblich der Rasentraktor stehen, darf Michaeldu selbstverständlich direkt daneben parken.
Mehr VIP geht in Werneuchen nicht.
Auch beim jährlichen Vereinsfest wird ihm künftig der erste Becher Bier gereicht, das erste Stück vom Grill angeboten und – sollte die Musikanlage wieder nur auf einer Box funktionieren – der Sitzplatz auf der besseren Seite zugesichert.
So behandelt Werneuchen seine Helden.
-Raimo Lambert geht – aber als Retter-
Natürlich besitzt diese Geschichte auch eine sportlich bittere Seite.
Mit Raimo Lambert verliert Rot-Weiß einen seiner wichtigsten Spieler und seinen Starstürmer.
Doch manchmal verlangt Fußball Opfer.
Lambert verlässt Werneuchen deshalb nicht einfach als Transfer.
Er verlässt den Verein als jener Spieler, dessen Wechsel möglicherweise die gesamte Zukunft von Rot-Weiß gesichert hat.
Sollte er eines Tages nach Werneuchen zurückkehren, wird man ihm selbstverständlich ebenfalls mit Respekt begegnen.
Vermutlich.
Zumindest solange er gegen Rot-Weiß kein Tor schießt.
Danach können wir für nichts garantieren.
--Eine Freundschaft für die Ewigkeit--
Aus einer finanziellen Katastrophe ist damit etwas entstanden, was vielleicht noch viel länger Bestand haben wird:
eine besondere Verbindung zwischen dem SV Rot-Weiß Werneuchen und dem FC Sankt Güllen.
Sollte Sankt Güllen irgendwann selbst in Schwierigkeiten geraten, wird Werneuchen selbstverständlich bereitstehen.
Finanziell vermutlich eher nicht.
Aber wir können eine Tombola organisieren.
Bratwürste verkaufen.
Pfandflaschen sammeln.
Und Horst und Dieter würden sich bestimmt bereit erklären, beim Benefizspiel Eintritt zu bezahlen.
Mehr Solidarität kann man von einem Drittligisten kaum verlangen.
Bis dahin aber soll in Werneuchen niemand vergessen, wem zu verdanken ist, dass hier weiterhin Fußball gespielt wird.
Danke, FC Sankt Güllen.
Danke, Michaeldu.
Ihr habt Rot-Weiß nicht einfach geholfen.
Ihr habt Rot-Weiß Werneuchen gerettet.
Und sollte Michaeldu irgendwann persönlich im Stadion erscheinen, muss er nur einen Satz sagen:
,,Ich bin der mit Lambert."
Dann gehen in Werneuchen alle Türen auf.
Na ja.
Bis auf die vom Geräteschuppen.
Dafür hat nur der Platzwart einen Schlüssel.
(BjSch218 / Sa., W30 S101)
