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Der ernste Thread

Begonnen von Frosch, 22. März 2012, 04:01:19

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BONSTAR

#3960
Zitat von: jeto am 22. September 2022, 06:46:32Gut, dass es keinen interessiert, was du gelten lässt und was nicht.  :wave:
Ganz ehrlich, du kannst so super differenziert argumentieren hier, schreibst sinnvolle Texte, um dir dann dein eigenes Haus wieder einzureißen mit lapidaren Sprüchen wie "alle Sachsen sind Nazis" oder "wer AFD wählt, ist ein Nazi". Damit tust du dir keinen Gefallen.
Man merkt definitiv, dass die ganze Sache für dich ein Herzensding ist und du gerne wirklich jedem die Augen öffnen möchtest - und das ist fantastisch! Denn wie du schon sagtest, viel zu wenige gehen selbst aktiv vor und tun etwas gegen die Radikalisierung der 'Massen'. Aber du wärst sicherlich erfolgreicher ohne die plumpen Thesen, die du dann immer wieder aufstellst.
Ich glaube doch, dass es Personen gibt, die Wert auf meine Meinung legen. Aber eben auch Personen, die es nicht machen. Ist auch okay. Demokratisches Verständnis eben, woran es der AfD-Wählerschaft fehlt ;)

Aber nun.. lapidar, dass alle in Sachsen Nazis sind, habe ich ja nun nicht geäußert. Sondern dass in Sachsen sehr viele (aktuelle Umfragen liegen wie erwähnt bei 30%) Nazis aus der AfD (+ ultrarechte Kleinstparteien) wählen und sich mit diesen daher auch gleichstellen. Und dass die sächsische CDU weit rechts, der restlichen Union steht und wäre dies nicht der Fall, die AfD um einige Prozente höher liegen würde, weil sich insbesondere auch in der sächsischen CDU, Personen rechts der klassisch konservativen Seite befinden und einige dieser, sogar eine Zusammenarbeit, bzw. Koalition mit der AfD nicht ausschließen oder gar befürworten. Auch, um mit dieser Politik einige potenzielle WählerInnen der AfD abzufischen. - Aber auch, dass die sächsische Justiz von rechten Kreisen unterlaufen ist. Medial lässt sich das, denke ich, sehr gut beobachten.

Ja, ich empfinde das Bundesland Sachsen (derzeit) als verloren. Aber nicht alle Menschen, die in diesem Bundesland leben. Unter den vielen Nazis in Sachsen sind, auch das habe ich (wenn auch in einem nachfolgenden Post) erwähnt, zusätzlich sehr viele Hinzugezogene. Die Dortmunder Szene habe ich als Beispiel genannt, die es sich überwiegend in Sachsen gemütlich gemacht hat. Jetzt könnte man nun fragen, weshalb grade in Sachsen, wo die Szene in Dortmund ein riesiges Fundament hatte? Weil es in Sachsen noch unglaublich größer ist und sich leichter weitere Menschen rekrutieren lassen. Da es in Sachsen, leider viele Menschen gibt, die eine rassistische Grundhaltung mitbringen. Wobei ich diese auch in vielen anderen Orten, auch im Westen wahrnehme. Allein der Alltagsrassismus ist überall und nicht zu knapp gegeben. Wobei ich aus jmd. mit Alltagsrassismus noch keinen zum Nazi deklarieren würde. Das sind viel mehr die Leute, wo es sich meines Erachtens lohnt zu kämpfen. Sie aufzuklären und mitzunehmen.

Dass es in Sachsen derartige Zustände gibt, hat zudem ganz sicher auch mit den vielen Fehlern aus der politischen Vergangenheit zu tun. Begonnen mit dem Ausverkauf nach der Wende. Die Menschen dort, wurden viele Jahre allein gelassen und überwiegend von Wessis regiert (Biedenkopf und seine verharmlosende Haltung gegenüber Rassismus und andere rechten Umtriebe, haben, denke ich, auch mit dazu beigetragen). - Das alles ist meines Erachtens aber allerhöchstens eine Erklärung zum Zusammenkommen des Zustands, aber nicht für die heute (32j. später) sich aktuell immer mehr vertiefende Grundhaltung vieler in Sachsen, ob nun dort geboren oder hinzugezogen.

Widerstand gibt es. Selbstverständlich und zum Glück. Und ich bin um jeden Widerstand dankbar. Aber den empfinde ich (auch außerhalb von Sachsen) als zu wenig. Nur weil rund 70% der Wählenden die AfD derzeit nicht wählen würden, ist dies nicht gleichbedeutend, dass all die, oder nahezu 70% dagegen sind. Die Vergangenheit hat uns doch vor allem eines gezeigt: Solange ich damit gut leben kann, passt.



Zum anderen, dass ich -alle- AfD Wählende als Nazis sehe. Lass uns mal anders an das Thema herangehen. Warum sollte ich meiner Stimme der AfD geben? Aus Protest? Okay. Kann man mal machen, ist halt (braune) Scheiße. Dann aber erneut? Wird nicht irgendwann dann auch mal eine Haltung daraus? Also nach 2017, 2021 oder heute erneut die AfD, aus "Protest"?!

Kann ich wirklich nicht mitkriegen, was in der AfD um sich geht, derart offen wie die AfD sich in der Öffentlichkeit präsentiert und positioniert? Die stellen ihre antidemokratischen Vorstellungen so offen zu Schau, dass mir niemand erzählen kann, solches nicht mitzukriegen. Zumal, ich suche die Quelle bei Bedarf nachher mal raus, viele AfD-Wählende, die AfD eben genau der politischen Agenda wegen wählen. Und die politische Agenda ist absolut bekannt!

Wie würdest du jemanden sehen, der heute, bei all dem, was wir wissen und lernen, wissentlich und mit vollster Absicht die NSPAD wählen würde, sofern es diese auch beim Namen noch geben würde inkl. Programm? - Die AfD gibt es auch nicht erst seit gestern. Da liegen auch bereits einige Jahre dazwischen, nach dem die vollständige Radikalisierung begonnen hat. - Wenn ich doch wirklich Protest wählen will, dann aber in Normalfall doch meiner politischen Grundrichtung nach?

Ab wann ist ein Nazi deiner oder eurer Meinung nach, ein Nazi, wenn die wiederkehrende Wahl eine Nazipartei dazu nicht ausreicht, trotz des bekannten Programmes? Ich bin bei euch, nicht komplett inflationär mit dem Begriff umzugehen. Nur weil, wie erwähnt, irgendwer sich unbedacht äußert oder aus Wut die N-Bombe droppt, oder nicht begreifen will, dass das Wort um das Z-Schnitzel von einen Teil unserer Mitmenschen diskriminierend aufgefasst werden kann, sind diese Leute selbstverständlich nicht gleich Nazis. - Aber wissentlich die AfD, eine Nazipartei zu wählen und das ganze nach 2017, 2021 erneut.. Ja. Diese Leute empfinde ich als derartiges. - Reiche, wie in einem vorherigen Post bereits erwähnt, aber gerne vielen dieser Leute die Hand, wenn sie glaubhaft aussteigen wollen.

Und um eines nochmal aufzugreifen, was anfangs mit Thema war. Mit der AfD als Partei reden? Nein! Jede Plattform, hilft einer solchen Partei. Leider lernen unsere Medien nicht daraus. Hin und wieder wird zwar mal kritisch hinterfragt, wenn die Alice aus dem Naziland wo sitzt, oftmals werden Äußerungen aber einfach stehengelassen. Das finde ich als unfassbar gefährlich.
AJFM
ab S33 FS Teutonia Bonn: V-Pokal 43, Finalist 38, 41 & 42; N-Pokal 62, Finalist 60
ab S69 FS Rheinlöwen Bonn: -

Corns

Nur ein Gedanke dazu, weil Du das mit den Dortmunder Nazis jetzt schon zweimal geschrieben hast. Das darf natürlich auch gern als billige, weil einfache Ausrede herhalten, um sich selbst aus der Verantwortung zu nehmen. Ist ja auch schön einfach, zu sagen, dass das die zugezogenen West-Nazis Schuld sind. Wichtig ist daher unbedingt auch immer zu sagen - was Du auch getan hast(!) und was ich hiermit nur nochmal unterstreichen will - dass es eben auf fruchtbaren Boden fiel. Zum Teil haben die westdeutschen Nazis gar nicht fassen können, was im Osten für eine Basis da ist. Während die in Dortmund mit vielleicht 20, 30 Mann zusammengekommen sind, waren bei den einschlägigen Veranstaltungen im Osten hunderte "Kameraden" da, die Zelte voll und die Konzerte halbe Volksfeste. Und lange ungestört von Verfassungsschutz oder Polizei. Da gibt es sehr gute Dokus drüber, auch Aussteigerberichte. Wer sich dafür interessiert, kann da sehr viel lernen! Es lohnt sich.

Auch die Geschichte der Hooligan-Szene im DDR-Fußball ist sehr interessant. Das waren vielfach Keimzellen für die Nach-Wende Naziszene. Politisch besonders verdreht die BFC-Hools - stramm faschistisch als Fans des Vorzeige-Klubs der antifaschistischen Stasi.

dAb

Zitat von: BONSTAR am 22. September 2022, 19:19:55Ich glaube doch, dass es Personen gibt, die Wert auf meine Meinung legen. Aber eben auch Personen, die es nicht machen. Ist auch okay. Demokratisches Verständnis eben, woran es der AfD-Wählerschaft fehlt ;)

Wobei diese Aussage leider mittlerweile auf alle Seiten und alle Themen zutrifft. Irgendwie gibt es bei vielen Diskussionen nur noch schwarz und weiß und nichts Anderes wird akzeptiert.
AJFM:
Meister: 1, 5, 6, 7, 13, 16, 28, 32
Pokal: 23, 32
Supercup: 8, 14, 17, 20, 26

:joint:

BONSTAR

#3963
Zitat von: Corns am 22. September 2022, 22:06:32Nur ein Gedanke dazu, weil Du das mit den Dortmunder Nazis jetzt schon zweimal geschrieben hast. Das darf natürlich auch gern als billige, weil einfache Ausrede herhalten, um sich selbst aus der Verantwortung zu nehmen. Ist ja auch schön einfach, zu sagen, dass das die zugezogenen West-Nazis Schuld sind. Wichtig ist daher unbedingt auch immer zu sagen - was Du auch getan hast(!) und was ich hiermit nur nochmal unterstreichen will - dass es eben auf fruchtbaren Boden fiel. Zum Teil haben die westdeutschen Nazis gar nicht fassen können, was im Osten für eine Basis da ist. Während die in Dortmund mit vielleicht 20, 30 Mann zusammengekommen sind, waren bei den einschlägigen Veranstaltungen im Osten hunderte "Kameraden" da, die Zelte voll und die Konzerte halbe Volksfeste. Und lange ungestört von Verfassungsschutz oder Polizei. Da gibt es sehr gute Dokus drüber, auch Aussteigerberichte. Wer sich dafür interessiert, kann da sehr viel lernen! Es lohnt sich.

Auch die Geschichte der Hooligan-Szene im DDR-Fußball ist sehr interessant. Das waren vielfach Keimzellen für die Nach-Wende Naziszene. Politisch besonders verdreht die BFC-Hools - stramm faschistisch als Fans des Vorzeige-Klubs der antifaschistischen Stasi.
Bzgl. West-Nazis. Das ist auf der anderen Seite, gar nicht mal -nur- eine billige Ausrede. Ich werfe mal den Namen Michael Kühnen und das Stichwort "Aufbau-Ost" rein. Nazis aus dem Westen, haben schon zur Wendezeit, Potenzial (bei weitem nicht in der Größenordnung wie seit einigen Jahren und heute und auch nicht ausschließlich in Sachsen) im Osten Deutschlands gesehen und viele Strukturen, nach der Wende mit aufgebaut, bzw. mit vorangetrieben.

Da ich aber grade wenig Zeit, für einen weiteren Roman habe, komme ich da später oder morgen noch einmal drauf zurück :bier:
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Corns

Ich finde das super wichtig, sich mit der Zeit von 1970 bis 2015 zu beschäftigen. Pegida und AfD kamen ja nicht aus dem Nichts (außer für die Sachsen-CDU1). Auf die Schnelle auch von mir dazu zwei Links:

https://taz.de/Exit-Gruender-ueber-Neonazis-in-der-DDR/!5665867/
https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/panorama_die_reporter/Panorama-die-Reporter,sendung1066338.html


1 Kurt Bidenkopf im Jahr 2017(!) im Zeit-Interview, angesprochen auf seine den Sachsen im Jahr 2000 attestierte Immunität gegen rechts: ,,Ich habe gesagt, dass die Sachsen immun sind gegenüber Rechtsradikalismus. Das ist auch heute noch meine Auffassung." Quelle: Zeit (Paywall)